Arbeitsmedizin für die Physio-Prüfung: Was wirklich kommt
Berufskrankheiten, BK-Nummern, Ergonomie — die 5 Themen, die in J2-Prüfungen auftauchen. 10 Minuten. Auf Physio-Prüfungsniveau.
5 Kernthemen14 Tage kostenlos10 Min/Einheit
Das Problem
Warum Arbeitsmedizin für Physio-Azubis so schwer ist
Arbeitsmedizin ist ein Fach, das in der Physiotherapie-Ausbildung oft stiefmütterlich behandelt wird — und dann in der Prüfung kommt. BK-Nummern auswendig lernen reicht nicht: Die Prüfung fragt, was du als Physio bei einem Patienten mit anerkannter Berufskrankheit tun musst.
1
Arbeitsunfall und Berufskrankheit werden verwechselt
Beide führen zu Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung (BG), haben aber völlig verschiedene Definitionen und Meldewege. In der Prüfung wird der Unterschied gezielt abgefragt.
2
BK-Nummern klingen abstrakt ohne klinischen Kontext
BK 2301 (Lärmschwerhörigkeit) oder BK 4101 (Silikose) — ohne zu wissen, welcher Patient dahintersteckt und was das für die Physiotherapie bedeutet, bleiben diese Nummern sinnlos.
3
Ergonomie wird auf Alltagswissen reduziert
Die Prüfung fragt konkrete ergonomische Maßnahmen am Arbeitsplatz mit physiologischer Begründung — nicht nur "aufrecht sitzen".
Die Lösung
MicroSkills verbindet BK-Nummern mit dem klinischen Bild: Silikose bedeutet bei uns nicht nur Quarzstaub — sondern Restriktive Ventilationsstörung, Physiotherapie-Kontraindikationen, und was beim Befund zu erwarten ist. Praxisorientiert, in 10 Minuten.
Prüfungsstoff
Die 5 wichtigsten Arbeitsmedizin-Themen für J2
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Thema 1
Berufskrankheiten & BK-Nummern
Wichtige BK-Nummern
BK 2301: Lärmschwerhörigkeit — Berufe: Bergbau, Metallverarbeitung
BK 4101: Silikose (Quarzstaub) — Bergbau, Steinmetze
BK 4103: Asbestose — Bau, Schiffbau (vor 1993)
BK 2102: Meniskusschäden — kniende Tätigkeiten > 13.000 Std.
BK 2108: LWS-Erkrankung durch Heben/Tragen schwerer Lasten
Was du wissen musst
Berufskrankheit = in BK-Liste (Anlage 1 BKV) aufgeführte Erkrankung
Meldepflicht des Arztes an die Berufsgenossenschaft (BG)
Kausalzusammenhang muss zwischen Beruf und Erkrankung bestehen
Kostenträger: Gesetzliche Unfallversicherung (BG), nicht Krankenkasse
BK erfordert keine Krankschreibung — nur Nachweis der beruflichen Exposition
Prüfungsfalle: Eine anerkannte Berufskrankheit erfordert keine Krankschreibung — sie kann auch bei arbeitsfähigen Personen vorliegen. Der Kausalzusammenhang zwischen Beruf und Erkrankung ist entscheidend, nicht der aktuelle Gesundheitszustand.
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Thema 2
Arbeitsunfall vs. Berufskrankheit
Arbeitsunfall
Zeitlich begrenztes, von außen einwirkendes Ereignis
Wegeunfall: auf dem Weg zur/von der Arbeit ebenfalls versichert
Kostenträger: BG — keine Zuzahlung, keine Kassengebühr
Berufskrankheit
Langfristige Exposition gegenüber arbeitsbedingten Schadstoffen/Belastungen
Erkrankung entwickelt sich über Monate bis Jahre
Meldung durch Arzt an Berufsgenossenschaft (kein Unfallbericht)
Kausalzusammenhang muss gutachterlich nachgewiesen werden
Anerkannte BK → Rentenanspruch möglich (MdE-Bewertung)
Prüfungsfalle: Unfallbericht (D-Arzt-Bericht) gilt für Arbeitsunfälle, nicht für Berufskrankheiten. Bei BK wird eine separate Berufskrankheiten-Anzeige an die BG geschickt. Dieser formale Unterschied ist prüfungsrelevant.
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Thema 3
Ergonomie am Arbeitsplatz
Was du wissen musst
Ergonomie: Anpassung der Arbeit an den Menschen (nicht umgekehrt)
Bildschirmarbeitsplatz: Augen-Bildschirm-Abstand 50–70 cm, Oberkante Augenehöhe
Sitzposition: 90-Grad-Hüfte, 90-Grad-Knie, Füße flach auf Boden
Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF): Auftrag für Physiotherapeuten
Stufenweise Wiedereingliederung nach Arbeitsunfall/BK
Belastungsanalyse: Welche Bewegungen/Haltungen schädigen?
Prüfungstipp: Ergonomie bedeutet in der Prüfung immer physiologische Begründung: Warum ist Körpernah-Heben besser? → Kürzerer Hebelarm, weniger Drehmoment auf die LWS, Rückenstrecker weniger belastet. Diese Begründung wird verlangt.
PT: Atemtherapie wie bei restriktiver Lungenerkrankung
Merkhilfe: Lärmschwerhörigkeit = Hochtonverlust + irreversibel. Silikose = Quarzstaub + Lungenfibrose + restriktiv (nicht obstruktiv wie COPD). Beide sind irreversibel — Prävention ist die einzige Therapie.
Palliative Physiotherapie bei fortgeschrittenem Mesotheliom
Keine aktive Belastungstherapie bei Pleuraerguss ohne Arztfreigabe
Patienteninformation: BG-Ansprüche, Rentenrecht
Prüfungstipp: Die lange Latenzzeit ist das Kernmerkmal aller asbestbedingten Erkrankungen. Ein Patient, der seit 1993 nicht mehr in Kontakt war, kann heute noch eine asbestbedingte BK entwickeln. Diese zeitliche Entkopplung wird in Fallvignetten getestet.
KOSTENLOSES BEISPIEL
Teste 2 echte Prüfungsfragen — ohne Anmeldung
So lernt MicroSkills: Fallbeispiel, Frage, sofortiges Feedback auf Physio-Niveau.
Fall: Ein 61-jähriger Steinmetz arbeitete 28 Jahre lang ohne ausreichenden Atemschutz in einer Granitwerkstatt. Er klagt seit zwei Jahren über progrediente Belastungsdyspnoe und trockenen Husten. Das Thorax-Röntgenbild zeigt bilateral symmetrische, nodulär-fibrotische Verschattungen in den Oberlappen.
Welche Aussage zur Silikose als Berufskrankheit ist korrekt?
Fall: Eine 38-jährige Bürokauffrau arbeitet täglich 7,5 Stunden am Bildschirm. Sie klagt über Nackenschmerzen (NRS 5/10) und Kribbeln im rechten Unterarm. Die Inspektion zeigt: Monitor 15 cm unterhalb Augenhöhe, Ellenbogen bei 110 Grad Flexion, Schultern leicht hochgezogen.
Welche ergonomische Empfehlung für den Bildschirmarbeitsplatz ist laut DGUV-Standard korrekt?
Du hast beide Beispielfragen abgeschlossen. Weitere 40+ Fragen warten auf dich — 14 Tage kostenlos.
Vertiefung
Die wichtigsten BK-Nummern für die Prüfung
BK-Nummer
Erkrankung
Ursache / Exposition
PT-Relevanz
BK 2301
Lärmschwerhörigkeit
Lärm ≥ 85 dB(A)
Kommunikation anpassen, irreversibel
BK 2102
Meniskusschäden
Kniende Tätigkeit > 13.000 Std.
Gangschulung, Kräftigung, Hilfsmittel
BK 2108
Bandscheibenerkrankung LWS
Schwere Lasten heben/tragen
Rückenschule, Ergonomieberatung, Stabilisation
BK 4101
Silikose
Quarzstaub (Bergbau, Steinmetz)
Atemtherapie (restriktiv), Sekretelimination
BK 4103
Asbestose
Asbestfasern (Bau, Schiffbau)
Atemtherapie, palliativ bei Mesotheliom
Kostenträger bei Berufskrankheiten: Bei anerkannten Berufskrankheiten ist die Berufsgenossenschaft (BG) Kostenträger — nicht die gesetzliche Krankenkasse. Das bedeutet: kein Rezept notwendig, keine Zuzahlung, Physiotherapie wird direkt von der BG verordnet und bezahlt. Als Physiotherapeutin musst du wissen, auf welches Verordnungsformular geachtet wird.
Häufige Fragen
Arbeitsmedizin im Staatsexamen: Was kommt wirklich?
Im Physio-Staatsexamen (PhysTh-APrV) sind die häufigsten Arbeitsmedizin-Themen: Berufskrankheiten mit BK-Nummern (Lärmschwerhörigkeit BK 2301, Silikose BK 4101, Asbestose BK 4103), der Unterschied zwischen Arbeitsunfall und Berufskrankheit, Ergonomie am Arbeitsplatz (Hebetechniken, Bildschirmarbeitsplatz) sowie berufliche Rehabilitation. Die BK-Nummern 2301 und 4101 sind die am häufigsten geprüften.
Ein Arbeitsunfall ist ein plötzliches, zeitlich begrenztes Ereignis bei der Arbeit (z.B. Sturz von der Leiter) mit sofort erkennbarer Schädigung. Eine Berufskrankheit entsteht durch langfristige, wiederholte Einwirkung arbeitsbedingter Faktoren (z.B. jahrelanger Lärm, Staubexposition) und ist in der Berufskrankheitenliste (BK-Liste) der DGUV verzeichnet. Entscheidend im Staatsexamen: Bei der Berufskrankheit muss ein ursächlicher Zusammenhang zwischen beruflicher Exposition und Erkrankung nachgewiesen werden.
Die wichtigsten BK-Nummern im Staatsexamen sind: BK 2301 — Lärmschwerhörigkeit (häufigste anerkannte Berufskrankheit in Deutschland, betrifft Metallarbeiter, Musiker, Bauarbeiter; Schallpegel ab 85 dB dauerhaft schädigend); BK 4101 — Silikose (Quarzstaublungenerkrankung, betrifft Bergleute, Steinmetze, Gießereiarbeiter; irreversibel, fibrotisch); BK 4103 — Asbestose (Asbeststaubexposition, betrifft Bau- und Werftarbeiter; erhöhtes Mesotheliom-Risiko). Alle drei sind arbeitshygienisch präventiv, nicht kurativ.
Physiotherapeuten sind selbst gefährdet durch Berufskrankheiten des Bewegungsapparats. Ergonomische Grundprinzipien: Rückengerechtes Heben — Rücken gerade, Knie beugen, Last körpernah halten, Drehbewegungen vermeiden; höhenverstellbare Behandlungsliegen auf Hüfthöhe einstellen; Anti-Ermüdungsmatten bei langem Stehen; Kraftaufwand durch Körpergewichtsverlagerung statt Muskelkraft. Im Staatsexamen kommt häufig die Frage, welche Körperhaltung bei Transferhilfen das LWS-Risiko minimiert.
Bei anerkannter Berufskrankheit ist die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) zuständig — nicht die Krankenkasse. Die Reha-Kette: Berufskrankheits-Meldung durch Arzt → DGUV-Prüfung → medizinische Rehabilitation (Physiotherapie, Ergotherapie) → berufliche Wiedereingliederung (stufenweise nach Hamburger Modell) → ggf. Umschulung bei dauerhafter Berufsunfähigkeit. Der Unterschied zur gesetzlichen Krankenversicherung ist prüfungsrelevant: DGUV übernimmt alle Kosten ohne Eigenanteil.
Das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) ist eine gesetzliche Pflicht des Arbeitgebers (§ 167 SGB IX) bei Mitarbeitern, die innerhalb eines Jahres länger als 6 Wochen arbeitsunfähig waren. Ablauf: Arbeitgeber macht Angebot → freiwillige Zustimmung des Arbeitnehmers → Analyse der Ursachen → Maßnahmenplan (Arbeitsplatzanpassung, stufenweise Wiedereingliederung nach Hamburger Modell, Physiotherapie). Prüfungsrelevant: BEM ist freiwillig für den Arbeitnehmer, aber Pflicht für den Arbeitgeber anzubieten. Stufenweise Wiedereingliederung (2–6 Stunden/Tag, schrittweise steigend) ist die häufigste physiotherapeutisch begleitete BEM-Maßnahme.
Die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV) legt drei Grenzwerte fest: Unterer Auslösewert 80 dB(A) — Arbeitgeber muss Gehörschutz bereitstellen, freiwillige Nutzung. Oberer Auslösewert 85 dB(A) — Gehörschutz ist Pflicht, Gehörvorsorge obligatorisch, Lärmbereiche kennzeichnen. Expositionsgrenzwert 87 dB(A) mit Gehörschutz — darf nicht überschritten werden. Merkhilfe: 80-85-87. Physiotherapeutisch relevant: Lärmschwerhörigkeit (BK 2301) ist eine Hochtonsenke bei 4000 Hz (C5-Senke), beginnt mit Tinnitus und ist irreversibel — Prävention ist die einzige Therapie.
Arbeitsbedingte psychische Belastung entsteht durch Zeitdruck, Überforderung und schlechtes Betriebsklima — sie führt zu Burnout, Depression und psychosomatischen Erkrankungen wie chronischem Rückenschmerz. Physiotherapeutisch relevant: Chronischer Rückenschmerz ist in 80% biopsychosozial (BPS-Modell nach Waddell) — rein biomedizinische Behandlung reicht nicht. Yellow Flags erkennen: Katastrophisieren, Fear-Avoidance, Depressivität. Maßnahmen: aktive Bewegungstherapie, Pain Neuroscience Education, Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson. Ziel: Rückkehr in den Beruf (Return to Work).
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