NYHA-Klassifikation, Belastungssteuerung nach Borg, kardiale Rehabilitationsphasen I–III und Kontraindikationen — alle prüfungsrelevanten Inhalte zur kardiologischen Physiotherapie strukturiert für das Staatsexamen 2026.
Warum ist das schwer?
Kardiale Rehabilitation verbindet Pathophysiologie (systolische vs. diastolische Herzinsuffizienz, EF-Werte), Risikostratifikation (NYHA, BNP, CPET), Belastungssteuerung (Borg, Watt-Grenzen) und Phasensystem (I–III/ambulant) mit physiotherapeutischer Kontraindikationenlehre. Prüfungsfragen verlangen nicht Begriffslisten, sondern Entscheidungsketten.
NYHA beschreibt funktionelle Beschwerdelast, nicht die Ejektionsfraktion. HFrEF (EF <40%) vs. HFpEF (EF ≥50%) sind pathophysiologisch verschieden. Die Prüfung fragt: Warum kann ein NYHA-III-Patient eine EF von 55% haben? Wer das Prinzip nicht versteht, antwortet falsch.
Borg-Skala 11–13 ist eine Zahl ohne Sinn, wenn das Konzept der subjektiven Belastungswahrnehmung fehlt. Die Prüfung fragt nach Faustregeln, absoluten Abbruchkriterien (Blutdruckabfall >20 mmHg systolisch, EKG-Veränderungen) und warum Wattgrenzen individuell aus dem CPET abgeleitet werden.
Phase I (stationär, 7–14 Tage), Phase II (AHB, 3 Wochen), Phase III (ambulante Langzeitbetreuung) werden aufgelistet, aber nicht mit konkreten Therapiemodalitäten verknüpft. Was macht die Physiotherapeutin in Phase I anders als in Phase III? Die Prüfung erwartet diese Operationalisierung.
Unsere 10-Minuten-Lerneinheiten verbinden Herzinsuffizienz-Grundlagen mit therapeutischen Entscheidungen und klinischen Skalen. Du lernst, HFrEF von HFpEF sicher zu unterscheiden, Borg-Werte zu begründen, Abbruchkriterien sofort anzuwenden und die Rehabilitationsphasen mit konkreten Therapiemaßnahmen zu verknüpfen.
Kernthemen
Prüfungstabellen
Die folgende Tabelle fasst die drei kardialen Rehabilitationsphasen zusammen und zeigt auf einen Blick, welches Setting, welche Dauer, welche Intensität und welche physiotherapeutischen Schwerpunkte prüfungsrelevant sind.
| Phase | Setting | Dauer | Intensität | Physiotherapie-Schwerpunkt |
|---|---|---|---|---|
| Phase I | Stationär (Intensiv/Normalstation) | 7–14 Tage | Sehr gering (Borg 6–10) | Frühmobilisation, Lagerung, Atemtherapie |
| Phase II | AHB / Reha-Klinik | 3 Wochen | Moderat (Borg 11–13) | Ergometer, Gruppentraining, Patientenschulung |
| Phase III | Ambulant, Herzgruppe | Dauerhaft | Moderat–hoch (Borg 11–15) | Langzeit-Ausdauer, Kraft, soziale Integration |
Häufige Prüfungsfragen
HFrEF (Heart Failure with reduced Ejection Fraction, EF <40%) ist eine systolische Dysfunktion: das Herz kann nicht ausreichend kontrahieren. Typische Ursachen sind koronare Herzerkrankung und dilative Kardiomyopathie. HFpEF (EF ≥50%) ist eine diastolische Dysfunktion: das Herz kontrahiert normal, ist aber steif und füllt sich unzureichend. Typische Ursachen sind arterielle Hypertonie und Diabetes mellitus. Für die Physiotherapie ist die Unterscheidung relevant, weil bei HFpEF besonders auf Blutdruckkontrolle, Volumenbelastung und Körpergewicht geachtet werden muss. Prüfungsregel: NYHA beschreibt Symptome, EF beschreibt die Pumpfunktion — beide Parameter sind unabhängig.
Die Borg RPE-Skala (Rating of Perceived Exertion) reicht von 6 (kein Anstrengungsgefühl) bis 20 (maximale Erschöpfung) und korrespondiert grob mit der Herzfrequenz (Zahl ×10 ≈ HF). In der kardialen Rehabilitation wird ein Trainingsbereich von Borg 11–13 (leicht bis etwas anstrengend) angestrebt, was 50–70% der maximalen Herzfrequenz entspricht. Vorteile: kostenfrei, sofort anwendbar, unabhängig von Betablocker-Einnahme (die die HF-basierte Steuerung verfälscht). Bei Betablocker-Patienten ist die Borg-Skala daher das Mittel der Wahl. Abbruchkriterium: Borg ≥17 oder subjektive Erschöpfung.
Absolute Kontraindikationen: (1) Dekompensierte Herzinsuffizienz mit Dyspnoe in Ruhe (NYHA IV). (2) Akutes Koronarsyndrom (MI <48h oder instabile Angina). (3) Unkontrollierte Arrhythmien mit hämodynamischer Beeinträchtigung. (4) Schwere Aortenstenose (Gradient >50 mmHg, AVA <0,6 cm²). (5) Akute Myokarditis oder Perikarditis. Relative Kontraindikationen: Ruheherzfrequenz >100/min, systolischer Blutdruck >180 mmHg, signifikante Elektrolytzstörungen. Prüfungsregel: Vor jedem Trainingsblock kurze Befundkontrolle — Ruhepuls, Blutdruck, aktuelle Beschwerden.
Der 6-Minuten-Gehtest (6MWT) misst die maximale Gehstrecke in 6 Minuten auf einem abgesteckten Korridor (meist 30m). Normwert gesunde Erwachsene: 400–700m (alters- und geschlechtsabhängig). Bei Herzinsuffizienz: >500m = gute Prognose; 300–500m = moderate Einschränkung; <300m = schwere Einschränkung, erhöhtes Mortalitätsrisiko. Anwendung: Eingangs- und Ausgangsbefund in der kardialen Reha; Therapiesteuerung; Verlaufskontrolle. Vorteile: kostenfrei, einfach durchführbar, valide und reliable Methode, korreliert mit VO₂max. Kein Gerät nötig; auch für ältere, schwer kranke Patienten geeignet.
Frühmobilisation ab Tag 1 nach kardialem Ereignis ist evidenzbasiert und reduziert Komplikationen: (1) Thromboseprophylaxe: immobilisierte Patienten haben ein vielfach erhöhtes TVT-Risiko. (2) Pneumonieprophylaxe: Atemtherapie (Lagerung, Perkussion, aktive Atemübungen) reduziert atelektatische Pneumonien. (3) Dekonditionierungsprävention: schon nach 1–2 Tagen Bettruhe sinkt VO₂max messbar. (4) Psychologischer Effekt: aktive Mobilisation signalisiert Kontrollrückgewinnung und reduziert Angst und Depression. Physiotherapeutische Maßnahmen in Phase I: Lagerung, passive/assistive Extremitätenbewegungen, Atemgymnastik, schrittweise Vertikalisierung bis Gehen (Ziel: 1 Treppe vor Entlassung).