J2 Physiotherapie-Azubis — SKL Chirurgie

Chirurgie für die Physiotherapie-Prüfung: Was wirklich kommt

Frakturen mit AO-Klassifikation, Hüft-TEP und Knie-TEP Nachbehandlung, Kompartmentsyndrom, periphere Nervenläsionen nach Sunderland, Wundmanagement und Polytrauma-Nachsorge — das sind die sechs Chirurgie-Themen, die im J2-Staatsexamen garantiert geprüft werden. Diese Seite zeigt dir, was du wissen musst — und was du weglassen kannst.

Warum Chirurgie für Physio-Azubis so schwer ist

Chirurgie gehört zu den Prüfungsbereichen, in denen Physio-Azubis am häufigsten scheitern — nicht weil die Themen schwer sind, sondern weil Chirurgie-Lehrbücher für Operateure geschrieben sind, nicht für die postoperative Rehabilitation. Wer nicht weiß, welche Inhalte aus Chirurgensicht für die Physio-Praxis relevant sind, lernt das Falsche und übersieht das Wesentliche.

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Sechs Themenblöcke mit unterschiedlicher Systematik

Frakturklassifikation, Endoprothetik, Wundmanagement, Neurophysiologie, Notfallmedizin und Polytrauma — jedes dieser Gebiete hat eigene Terminologie und Klassifikationssysteme. Ohne klare Struktur verliert man den roten Faden schnell.

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AMBOSS behandelt Chirurgie aus Arzt-Perspektive

Operationstechniken, präoperative Diagnostik, Antibiotikaprophylaxe — das ist das, was AMBOSS zu Chirurgie lehrt. Für das Physio-Staatsexamen braucht man den Belastungsaufbau nach TEP, die Luxationsprophylaxe und die Phasen der postoperativen Rehabilitation. Das fehlt dort fast vollständig.

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Notfälle wie das Kompartmentsyndrom werden unterschätzt

Das Kompartmentsyndrom ist ein physiotherapeutischer Notfall — wer es verpasst, gefährdet Patienten. Im Staatsexamen werden die 6 P's, der Pathomechanismus und die Kontraindikation aktiver Physiotherapie während des akuten Kompartmentsyndroms gezielt abgefragt. Viele Azubis kennen die P's, aber nicht den Zusammenhang.

Die Lösung

MicroSkills liefert Chirurgie-Inhalte konsequent aus Physio-Perspektive — postoperative Rehabilitation statt OP-Techniken, Belastungsaufbau statt Schnittführung, Komplikationserkennung statt Pharmakologie. 10-Minuten-Einheiten mit realen Fallbeispielen, prüfungsrelevanten Klassifikationen (AO, Sunderland, Wundheilungsphasen) und sofortigem Feedback. Exakt auf PhysTh-APrV abgestimmt.

Die 6 wichtigsten Chirurgie-Themen für J2

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Thema 1

Frakturen — Klassifikation, Heilungsphasen & Komplikationen

AO-Klassifikation & Frakturtypen
  • AO-Systematik: Knochen (1–9), Lokalisation (1 = proximal, 2 = diaphysär, 3 = distal), Schweregrad (A = einfach, B = Keilbruch, C = komplex/Trümmer)
  • Querfraktur: durch direkte Gewalteinwirkung, stabile Fragmentstellung, gut für Marknagelung geeignet
  • Schrägfraktur: durch indirekte Biegekraft, Tendenz zur Verkürzung — Schraubenosteosynthese möglich
  • Spiralfraktur: durch Rotationsgewalt (Torsionstrauma), länglicher Bruchverlauf — typisch Torsionsverletzung Unterschenkel
  • Trümmerfraktur: AO Typ C, drei oder mehr Fragmente, schlechteste Prognose für direkte Knochenheilung
  • Kompressionsfraktur: Wirbelkörperfraktur bei Osteoporose — Sinterung ohne Trauma möglich
Heilungsphasen & PT-Timing
  • Phase 1 — Entzündungsphase (0–7 Tage): Hämatom, Granulationsgewebe, Schmerzmanagement, isometrische Aktivierung distal
  • Phase 2 — Kallus-Proliferation (1–6 Wochen): Geflechtknochen-Bildung, Teilbelastung nach ärztlicher Freigabe, Gelenkmobilisation proximal und distal
  • Phase 3 — Remodelling (6 Wochen bis 1 Jahr): Lamellenknochen-Umbau, belastungsabhängige Ausrichtung der Trabekel nach Wolffsschem Gesetz, Vollbelastung, Kraftaufbau
  • Komplikation CRPS/Sudeck: Typ I ohne Nervenläsion — dysproportionaler Schmerz, Schwellung, trophische Veränderungen; Therapie: Spiegeltherapie, behutsame Desensibilisierung
  • Pseudarthrose: fehlerhafte Knochenbruchheilung (>6 Monate), Ursachen: Beweglichkeit im Frakturspalt, Durchblutungsstörung
  • Osteomyelitis: iatrogene Infektion, besonders nach offenen Frakturen oder operativer Versorgung
Prüfungsfalle CRPS: Morbus Sudeck = CRPS Typ I (kein Nervenschaden), Kausalgie = CRPS Typ II (mit Nervenbeteiligung). Leitsymptom ist der dysproportionale Schmerz — viel stärker als die Verletzung erklären würde. Physiotherapie bei CRPS beginnt schmerzarm und sehr behutsam — aggressives Vorgehen verstärkt das Syndrom.
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Thema 2

Hüft-TEP & Knie-TEP — Indikation, Luxationsprophylaxe & Rehabilitation

Hüft-TEP: Indikation & Luxationsprophylaxe
  • OP-Indikation: Coxarthrose Grad III–IV (Kellgren-Lawrence), Schenkelhalsfraktur, Femurkopfnekrose, Hüftdysplasie im Erwachsenenalter
  • Posteriorer Zugang (häufigster Zugang): Luxationsrisikobewegung = Flexion >90° + Adduktion + Innenrotation — diese Kombination vermeiden!
  • Anteriorer Zugang (AMIS): Luxationsrisikobewegung = Extension + Außenrotation
  • Verboten nach posteriorem Zugang: tiefes Hücken, Schuh anziehen ohne Hilfsmittel, Bein überschlagen, seitliche Lagerung ohne Abduktionskissen
  • Belastungsaufbau: zementiert = sofortige Vollbelastung; zementfrei = Teilbelastung 6 Wochen (30–50 kg), dann sukzessive Vollbelastung
  • Bewegt werden: postoperativ Tag 1 Aufstehen mit Physiotherapeut, Stufenprogramm Gehstrecke
Knie-TEP: Phasen & Bewegungsausmaß
  • OP-Indikation: Gonarthrose Grad III–IV, rheumatoide Arthritis mit Kniedestruktion, posttraumatische Arthrose
  • Phase 1 (0–2 Wochen): Ödemreduktion, Lymphdrainage, isometrische Quadrizeps-Aktivierung, Kniemobilisation bis 90° Flexion anstreben
  • Phase 2 (2–6 Wochen): aktiv-assistierte Mobilisation, Gangschule mit Unterarmgehützen, Treppensteigen, Ziel: 100–110° Flexion
  • Phase 3 (6–12 Wochen): offene und geschlossene Kette, Propriozeptionstraining, Rückkehr zu ADL
  • Bewegungsausmaß-Ziele: vollständige Extension 0° (Streckdefizit = funktionelles Problem), Flexion 110–120° für Treppensteigen und Kniebeuge
  • Kniestrecker-Schwäche: häufigste Frühkomplikation, verzwingliche Quadrizeps-Aktivierung ab Tag 1
Merkhilfe Luxation Hüft-TEP: Posteriorer Zugang = Bein nicht nach innen drehen und nicht über 90° beugen + nicht über die Mittellinie führen. Eselsbridge: “Innen, Tief, Rein” = Innenrotation, Tiefbeugen, Reinkreuzen — das sind die drei Verbotsbewegungen in Kombination.
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Thema 3

Wundmanagement & Narbenbehandlung

Wundheilungsphasen
  • Phase 1 — Exsudation/Entzündung (0–5 Tage): Blutungsständig, Leukozyteneinwanderung, Debris-Entfernung, Wound-bed preparation
  • Phase 2 — Proliferation (5 Tage bis 3 Wochen): Fibroblasten-Einwanderung, Kollagen Typ III Synthese (unreifes Kollagen), Angiogenese, Granulationsgewebe sichtbar
  • Phase 3 — Remodelling/Maturation (3 Wochen bis 2 Jahre): Kollagen Typ I ersetzt Typ III (reifes Kollagen), Zugfestigkeit nimmt zu (maximal 80% des Ursprungsgewebes), Narbe bleicht aus
  • Sekundärhärtung durch fehlende Epithelisierung: Granulationsgewebe überwuchert, häufig bei tiefen Wunden
  • Wundheilungsstörungen: Infektion, mangelnde Durchblutung, Diabetes mellitus, Kortikosteroide, Prüfungsthema Risikofaktoren
Narbentypen & Physiotherapie
  • Normale Narbe: innerhalb der Wundgrenzen, verblasst nach Monaten
  • Hypertrophe Narbe: erhabene, rote, derbe Narbe — bleibt innerhalb der Wundgrenzen — bildet sich oft spontan zurück
  • Keloid: wächst über die Wundgrenzen hinaus, genetische Prädisposition, kein spontaner Rückgang, häufiger bei dunkler Hautfarbe
  • Narbenbehandlung ab Woche 6 (nach Epithelialisierung): Narbenmassage mit Zirkelreibung, Querfriktionen; Narbenpflaster/Silikonfolien zur Kompression
  • Ödemmassage: Manuelle Lymphdrainage, Entstauungstherapie, Kompressionsverbände zur Fibroseprophylaxe
  • Kontrakturprophylaxe: Narbenzug durch frühzeitige Dehnung reduzieren, funktionelle Lagerung
Prüfungsunterschied: Hypertrophe Narbe = bleibt in der Wunde, bildet sich zurück. Keloid = wächst über die Wundgrenzen, bleibt dauerhaft, genetisch bedingt. Narbenbehandlung beginnt erst ab Woche 6 — nicht früher, da vorher die Epithelialisierung noch läuft und mechanische Reize die Heilung stören.
Thema 4

Periphere Nervenläsionen nach OP/Trauma

Sunderland-Klassifikation
  • Grad I — Neuropraxie: Leitungsblock ohne Axon-Unterbrechung (z.B. Lagerungsschäden, Tourniquet), vollständige Erholung in Tagen bis Wochen
  • Grad II — Axonotmesis: Axon unterbrochen, Endoneurium intakt — Wallersehe Degeneration, aber Regeneration möglich (1 mm/Tag), gute Prognose
  • Grad III: Axon + Endoneurium unterbrochen, Perineurium intakt — Regeneration möglich, aber oft unvollständig durch Fehlregenerationen
  • Grad IV: nur Epineurium erhalten — ausgepragte Narbenbildung, chirurgische Intervention meist notwendig
  • Grad V — Neurotmesis: vollständige Durchtrennung — ohne Nervennaht (Epineuralnaht) oder Transplantat keine Erholung
  • Regenerationsrate: konstant 1 mm pro Tag = ca. 3 cm pro Monat — Kernzahl im Staatsexamen
Physiotherapie & Schienungsindikation
  • Schienungsindikation: Radialisparese → Handgelenk-Extension-Schiene (Drop-hand-Schiene), Ulnarisparese → Anti-Klauen-Schiene, Peroneusparese → Peroneus-Schiene (Foot-Drop)
  • Physiotherapie-Ziele: Kontrakturprophylaxe der gelähmten Muskulatur, Erhalt des Gelenkbewegungsausmaßes, elektrische Stimulation denerviierter Muskulatur zur Atrophieverzögerung
  • Sensibilitätsrehabilitation: Desensibilisierung bei Hyperpathie, Wiedererlernen der Diskriminationssensorik (2-Punkt-Diskrimination)
  • Verlaufskontrolle: Tinel-Zeichen wandert distalwärts bei erfolgreicher Regeneration (Klopfzeichen entlang des Nervs)
  • Typische postoperative Läsionen: N. radialis bei Humerusschaftfraktur, N. fibularis bei Knieoperation, N. ulnaris nach Ellbogengelenkoperation
  • EMG/NLG: elektrophysiologische Diagnostik zur Stufeneinteilung und Verlaufskontrolle
Kernsatz für die Prüfung: Regenerationsrate peripherer Nerven = 1 mm pro Tag. Ein durchtrenner N. medianus auf Höhe des Handgelenks muss ca. 250 mm zum Kleinen Finger regenerieren = ca. 250 Tage (8,5 Monate). Diese Berechnung kann in der mündlichen Prüfung gefordert werden. Tinel-Zeichen wandert mit der Regenerationsfront.
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Thema 5

Kompartmentsyndrom — Notfall erkennen und richtig handeln

Pathophysiologie & die 6 P's
  • Pathomechanismus: Druck im geschlossenen Faszienlogen übersteigt Perfusionsdruck → Muskel- und Nervenischämie innerhalb von 6–8 Stunden irreversibel
  • Häufigste Ursachen: Frakturen (Unterschenkel!), Quetschungsverletzungen, Verbrennungen, eng anliegende Gipsverbände
  • P1 — Pain: Schmerz, der auf Analgesie nicht anspricht; nimmt beim passiven Dehnen der Kompartment-Muskulatur zu
  • P2 — Pressure: palpatorisch erhöhte Gewebespannung; Druckmessung >30 mmHg oder <30 mmHg unter diastolischem Blutdruck
  • P3 — Paresthesia: Kribbeln, Missempfindungen durch frühe Nervenkompression (Frühsymptom!)
  • P4 — Paralysis: motorischer Ausfall — Spätsymptom, dann bereits Nervenschaden
  • P5 — Pallor: Blass-livide Haut durch Durchblutungsstörung (Spätsymptom)
  • P6 — Pulselessness: fehlender peripherer Puls (spätes Stadium, Extremität gefährdet)
Notfallmanagement & PT nach Fasziotomie
  • Sofortmaßnahmen: Gipsverband sofort spalten oder abnehmen, Extremität auf Herzhöhe lagern (nicht hochlagern!), Notarztruf
  • Notfall-Fasziotomie: chirurgische Spaltung der Faszienloge innerhalb von 6 Stunden — Zeitfenster kritisch
  • Kontraindikation: Physiotherapie ist während des akuten Kompartmentsyndroms absolut kontraindiziert
  • Nach Fasziotomie: offene Wundbehandlung 3–5 Tage, dann sekundärer Wundverschluss oder Hauttransplantation
  • Physiotherapie nach Fasziotomie: frühzeitige Mobilisation nach Wundverschluss, Ödemtherapie, Kontrakturprophylaxe
  • Langzeitfolgen: Volkmann-Kontraktur (Fingerflexoren-Kontraktur nach Unterarm-Kompartmentsyndrom), Muskelnekrose, Neuropathie
Prüfungsfalle Lagerung: Beim Kompartmentsyndrom die Extremität auf Herzhöhe lagern — NICHT hochlagern! Hochlagern vermindert den arteriellen Einfluss und verschlechtert die Ischämie. Frühsymptome sind Schmerz + Kribbeln — wenn Puls fehlt, ist es bereits ein Spätstadium. Sofort handeln bei den ersten drei P's.
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Thema 6

Polytrauma-Nachsorge — ICF-Modell, Mobilisation & Heterotope Ossifikationen

ICF-Modell & Stufenplan Mobilisation
  • ICF-Modell (International Classification of Functioning, Disability and Health): Körperfunktion/-struktur, Aktivität und Partizipation als gleichwertige Dimensionen
  • Beim Polytrauma: multiple Körperfunktionsbeinträchtigungen + eingeschränkte Aktivität + Partizipation (Beruf, Soziales) — alle drei Ebenen sind Therapieziel
  • Stufenplan Intensivstation: Phase 1 = Lagerungsmaßnahmen, Kontrakturprophylaxe, Dekubitusprophylaxe; Phase 2 = Bettkantentraining; Phase 3 = Stehtraining mit Kippbett/Stehrahmen
  • Stufenplan Normalstation: Transfertraining, Gehschule mit Hilfsmitteln, Treppentraining
  • Frühmobilisation: Evidenz für frühzeitige Mobilisation (ab Tag 1 auf ICU) — reduziert Pneumonie, Thromboembolie, Muskelatrophie
  • Koordination: enge Abstimmung mit Chirurgie über Belastungsfreigabe jeder Verletzungsregion einzeln
Heterotope Ossifikationen & weitere Komplikationen
  • Heterotope Ossifikationen (HO): ektope Knochenbildung im Weichteilgewebe nach Polytrauma, Schädel-Hirn-Trauma oder Querschnittlähmung
  • Häufigste Lokalisation: Hüfte, Knie, Ellbogen; Entstehung 4–12 Wochen posttraumatisch
  • Klinik: Schmerz, lokale Überwarmung, Schwellung, progrediente Bewegungseinschränkung — ähnlich wie Infektion
  • Physiotherapie bei HO: sanfte Mobilisation im schmerzfreien Bereich, kein aggressives Dehnen (verstärkt HO-Wachstum), Wärmetherapie kontraindiziert in akuter Phase
  • Weitere Komplikationen: ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome), Sepsis, Multiorganversagen — Physiotherapie unterstützt Lungenfunktion (IPPB, Lagerungsdrainage)
  • Langzeitrehabilitation: Reha-Klinik, Berufliche Wiedereingliederung, psychologische Begleitung (PTBS nach Trauma)
ICF im Prüfungsgespräch: Das ICF-Modell ist der konzeptionelle Rahmen für jede Physiotherapie-Befunderhebung im Staatsexamen — auch bei Chirurgie. Körperfunktion (z.B. Muskelschwäche, Schmerz) allein genügt nicht: Frage immer, wie Körperfunktion die Aktivität (Gehen, Greifen) und Partizipation (Beruf, Freizeit) beeinflusst. Diese Denkweise wird mündlich explizit geprüft.

Typische Prüfungsfragen Chirurgie Physiotherapie

Ein 68-jähriger Patient hat vor 3 Tagen eine zementfreie Hüft-TEP (posteriorer Zugang) erhalten. Erklären Sie die Luxationsprophylaxe — welche Bewegungen sind verboten und warum?
Posteriorer Zugang: Kombinationsverbot Flexion >90° + Adduktion über Mittellinie + Innenrotation. Verboten: tiefes Hücken, Schuh anziehen ohne Anziehhilfe, Bein überschlagen. Belastung: zementfrei = Teilbelastung 6 Wochen, dann aufbauen.
Mündlich
Nennen und erklären Sie die Sunderland-Grade der peripheren Nervenläsion. Ein Patient hat nach Humerusschaftfraktur eine Radialisparese. Welchen Sunderland-Grad vermuten Sie bei vollständigem, aber temporärem Ausfall?
Temporärer Ausfall = Grad I Neuropraxie (Leitungsblock, Axon intakt). Vollständige Erholung innerhalb Wochen. Drop-hand-Schiene zur Handgelenksextension. Regenerationsrate bei Grad II aufwärts: 1 mm/Tag.
Schriftlich
Ein 25-jähriger Motorradfahrer kommt nach Tibiaschaftfraktur aus dem OP. Am nächsten Morgen klagt er über stärker werdende Schmerzen im Unterschenkel und Kribbeln in den Zehen. Wie handeln Sie?
Verdacht auf Kompartmentsyndrom: sofort Gipsverband entfernen/spalten, Extremität auf Herzhöhe (nicht hochlagern!), sofort ärztliche Notfallmeldung. Kein Abwarten, keine Physiotherapie — Zeitfenster für Fasziotomie ist 6 Stunden.
Praktisch
Beschreiben Sie die drei Phasen der Wundheilung und leiten Sie ab, ab welchem Zeitpunkt Narbenbehandlung begonnen werden darf.
Phase 1 Entzündung (0–5 Tage), Phase 2 Proliferation (5 Tage–3 Wochen, Kollagen III), Phase 3 Remodelling (3 Wochen–2 Jahre, Kollagen I). Narbenbehandlung ab Woche 6 nach vollständiger Epithelialisierung: Narbenmassage, Querfriktionen, Silikonfolien.
Schriftlich
Ein Patient mit Polytrauma (Beckenfraktur + Tibiafraktur) liegt auf der Intensivstation. Beschreiben Sie den Stufenplan der physiotherapeutischen Mobilisation nach ICF-Modell.
ICF: Körperfunktion (Kraft, Schmerz), Aktivität (Transfer, Gehen), Partizipation (Beruf, Alltag). Stufen: Lagerung/Kontrakturprophylaxe → Bettkante → Kippbett/Stehrahmen → Stand → Gangschule. Belastungsfreigabe je Verletzungsregion mit Chirurgie abstimmen.
Mündlich
Ein 8 Wochen alter Unterschenkelgips bei einem Patienten mit Tibiadiaphysenfraktur wird entfernt. Der Patient hat einen lividen, geschwollenen Fuss mit Schmerzen bei Bewegung. Was sind die Differentialdiagnosen und welche Physiotherapie planen Sie für die nächsten 6 Wochen?
DD: CRPS Typ I (Sudeck), tiefe Beinvenenthrombose (Ausschluss durch Doppler), Infektion. Bei CRPS: behutsame Desensibilisierung, Spiegeltherapie, Entstauung — kein aggressives Bewegen. Kraftaufbau erst nach Schmerzfreiheit. Remodelling-Phase der Fraktur läuft parallel.
Mündlich

Chirurgie-Vorbereitung: MicroSkills vs. AMBOSS vs. Lehrbuch

Chirurgie-Lehrbücher erklären Operationstechniken. AMBOSS lehrt Chirurgie für das Hammerexamen. Physio-Azubis wollen wissen: Wann darf ich nach Hüft-TEP vollbelasten? Wie erkenne ich ein Kompartmentsyndrom? Ab wann darf ich Narben behandeln? Das ist in keinem klassischen Lernformat zu finden — bis jetzt.

Kriterium AMBOSS Chirurgie-Lehrbuch MicroSkills
Inhaltsperspektive Medizinstudenten/Chirurg Operateur-Sicht Postoperative Physio
Prüfungsfokus Hammerexamen/USMLE Chirurgen-Prüfung PhysTh-APrV
Luxationsprophylaxe TEP kaum nicht Thema Kerninhalt
Sunderland-Klassifikation Kurzerwähnung mit Quiz
Kompartmentsyndrom PT Chirurgisch fokussiert OP-Indikation 6 P's + Handlung
Lernformat Lange Kapitel Buchkapitel 30–60 S. 10-Min-Einheiten
Preis 17,99 EUR/Monat ab 60 EUR einmalig 9,99 EUR / 90 Tage
Sofort-Feedback
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10-Minuten-Einheiten

Ein Fallbeispiel, ein Krankheitsbild, ein Quiz. Kein Scrollen durch 50-seitige Chirurgiekapitel, die auf die Physio-Prüfung nicht zutreffen.

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Prüfungsformat-genau

Fragen im PhysTh-APrV-Stil — schriftlich, mündlich und praktisch — so wie sie zur Chirurgie im Staatsexamen auftauchen.

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9,99 EUR für 90 Tage

Kein Abo, kein Trap. Einmalzahlung, 90 Tage Vollzugriff — genau für die Prüfungsphase gebaut.

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Spaced Repetition

Das System merkt, ob du AO-Klassifikation und Sunderland-Grade sicher abrufst — und wiederholt genau das, was noch fehlt.

8-Wochen-Lernplan Chirurgie für das Staatsexamen

Acht Wochen, täglich 10 Minuten — das reicht, um alle sechs Chirurgie-Kernthemen sicher für das Staatsexamen zu verankern. Die Reihenfolge ist nach Prüfungsrelevanz sortiert: Frakturen und TEP-Nachbehandlung zuerst, weil sie am häufigsten kommen; Polytrauma und Nervenläsionen in den letzten Wochen.

Wochen 1–2

Frakturen & Heilungsphasen

  • AO-Klassifikation: A, B, C mit Beispielen
  • Frakturtypen: Quer, Schräg, Spiral, Trümmer unterscheiden
  • Drei Heilungsphasen: Zeitangaben und PT-Timing
  • CRPS Typ I vs. Typ II: Unterschied Sudeck/Kausalgie
  • Fallbeispiel-Quiz: Tibiaschaftfraktur, 42-jährige Frau
Wochen 3–4

Hüft-TEP & Knie-TEP Rehabilitation

  • Hüft-TEP: posteriorer vs. anteriorer Zugang — unterschiedliche Verbotsbewegungen
  • Luxationsprophylaxe: die drei kritischen Bewegungen auswendig
  • Belastungsaufbau: zementiert vs. zementfrei
  • Knie-TEP: drei Phasen mit Zeitangaben und ROM-Zielen
  • Quiz: Prüfungsfragen TEP-Nachbehandlung schriftlich und mündlich
Wochen 5–6

Wundmanagement, Narben & Nervenläsionen

  • Wundheilungsphasen: Kollagen III → Kollagen I, Zeitangaben
  • Hypertrophe Narbe vs. Keloid: Unterschied und Behandlung ab Woche 6
  • Sunderland-Grade I–V mit Prognosen
  • Regenerationsrate 1 mm/Tag: Berechnungsbeispiel Radialisparese
  • Schienungsindikationen: Drop-hand, Anti-Klauen, Peroneus-Schiene
Wochen 7–8

Kompartmentsyndrom, Polytrauma & Wiederholung

  • 6 P's in Reihenfolge: Früh- und Spätsymptome unterscheiden
  • Lagerungsregel: Herzhöhe — nicht hochlagern
  • ICF-Modell Polytrauma: alle drei Ebenen benennen
  • Heterotope Ossifikationen: Entstehung, PT-Verbote, Klinik
  • Gesamtwiederholung: alle 6 Themen, Fallbeispiele gemischt

FAQ: Chirurgie-Prüfungsvorbereitung Physiotherapie

Im Physio-Staatsexamen (PhysTh-APrV) sind die häufigsten Chirurgie-Themen: Fraktureinteilung und Heilungsphasen (AO-Klassifikation, Quer-/Schräg-/Spiralfraktur, Komplikation CRPS/Sudeck), Hüft-TEP und Knie-TEP (Luxationsprophylaxe, Belastungsaufbau, Bewegungsausmaß), Wundmanagement und Narbenbehandlung (Wundheilungsphasen, hypertrophe Narbe vs. Keloid), periphere Nervenläsionen (Sunderland-Klassifikation, Regenerationsrate 1 mm/Tag, Schienungsindikation), Kompartmentsyndrom (6 P's, Fasziotomie, Lagerung) und Polytrauma-Nachsorge (ICF-Modell, heterotope Ossifikationen). Diese sechs Themen decken etwa 85% der Chirurgie-Prüfungsaufgaben ab.
Die AO-Klassifikation (Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen) ist das international gültige System zur Fraktureinteilung. Drei Achsen: Knochen (1 = Humerus, 2 = Radius/Ulna, 3 = Femur, 4 = Tibia/Fibula usw.), Lokalisation (1 = proximal, 2 = diaphysär, 3 = distal) und Schweregrad (A = einfach, B = Keilbruch mit zwei Fragmenten, C = komplex/Trümmer). Prüfungsrelevant sind die morphologischen Typen: Querfraktur (stabile Fragmentstellung, Marknagelung), Schrägfraktur (Verkürzungstendenz), Spiralfraktur (Rotationsgewalt, Torsionstrauma), Trümmerfraktur (Typ C, schlechteste Knochenheilungsprognose). Die AO-Klassifikation gibt dem Chirurgen Hinweise auf die optimale Osteosynthese — dem Physiotherapeuten gibt sie Hinweise auf die Stabilität und das erlaubte Belastungs-Timing.
Nach Hüft-TEP ist Luxationsprophylaxe das wichtigste Physiotherapie-Thema. Beim häufigsten Zugang (posteriorer/posterolateraler Zugang) ist die kritische Bewegungskombination: Flexion über 90° + Adduktion über die Mittellinie + Innenrotation — diese drei Bewegungen gleichzeitig führen zur Luxation. Im Alltag verboten: tiefes Hücken, Schuh anziehen ohne Anziehhilfe, Bein überschlagen. Beim vorderen Zugang ist die kritische Kombination Extension + Außenrotation. Belastungsaufbau: zementierte Prothesen erlauben sofortige Vollbelastung; zementfreie Prothesen benötigen 6 Wochen Teilbelastung für das Einwachsen des Implantats in den Knochen. Dieser Unterschied kommt garantiert in der schriftlichen Prüfung.
Die 6 P's sind das klinische Warnsignal beim Kompartmentsyndrom: Pain (Schmerz, der auf Analgesie nicht anspricht und beim passiven Dehnen der Kompartment-Muskulatur zunimmt — Frühsymptom), Pressure (erhöhter Gewebedruck, palpable Spannung), Paresthesia (Kribbeln, Taubheit durch Nervenkompression — Frühsymptom!), Paralysis (motorischer Ausfall — Spätsymptom), Pallor (blasse Haut durch Durchblutungsstörung — Spätsymptom), Pulselessness (fehlender peripherer Puls — Spätsymptom). Wichtig: Puls und Blass-Färbung sind Spätsymptome — wer damit wartet, hat bereits irreversiblen Schaden zugelassen. Bei Schmerz + Kribbeln sofort handeln: Gips entfernen, Extremität auf Herzhöhe lagern (nicht hochlagern!), Notarzt rufen. Zeitfenster für Fasziotomie: 6 Stunden.
Die Sunderland-Klassifikation unterscheidet fünf Grade: Grad I (Neuropraxie) = Leitungsblock ohne Axon-Unterbrechung, vollständige Erholung in Tagen bis Wochen (z.B. Lagerungsschäden). Grad II (Axonotmesis) = Axon unterbrochen, Endoneurium intakt, Wallersche Degeneration, Regeneration möglich mit guter Prognose. Grad III = Axon + Endoneurium unterbrochen, Perineurium intakt, Regeneration möglich aber häufig unvollständig. Grad IV = nur Epineurium erhalten, chirurgische Intervention meist notwendig. Grad V (Neurotmesis) = vollständige Durchtrennung, ohne Nervennaht oder -transplantat keine Erholung. Regenerationsrate: konstant 1 mm pro Tag — das ist die Kernzahl im Staatsexamen. Tinel-Zeichen wandert bei erfolgreicher Regeneration distalwärts entlang des Nervs.
CRPS (Complex Regional Pain Syndrome), früher Morbus Sudeck, ist eine ernste Komplikation nach Frakturen oder Operationen mit dysproportionalen Schmerzen, autonomen Dysfunktionen (Veränderungen von Temperatur, Farbe, Schwitzen) und trophischen Veränderungen (Hautatrophie, Nagelveränderungen). CRPS Typ I: ohne Nervenläsion (früher Sudeck/Algodystrophie). CRPS Typ II: mit Nervenläsion (früher Kausalgie). Stadien: I akut (warm, rot, Ödem), II Dystrophie (kalt, zyanotisch, Hautatrophie), III Atrophie (irreversible Kontrakturen). Physiotherapie-Prinzipien: sehr behutsame, schmerzarme Therapie (aggressives Vorgehen verstärkt das CRPS), Spiegeltherapie (Mirror Box Therapy) zur kortikalen Reorganisation des Schmerzgedächtnisses, Desensibilisierung bei Hyperpathie in Stadium I, langsame Mobilisation erst wenn Schmerzfreiheit erreicht.
Nach Knie-TEP erlaubt die moderne postoperative Physiotherapie sofortige Vollbelastung ab Tag 1 — anders als früheren Protokollen. Die drei Phasen: Phase 1 (0–2 Wochen): Ödemreduktion durch Manuelle Lymphdrainage und Kompression, isometrische Quadrizeps-Aktivierung, passive/aktiv-assistierte Kniemobilisation bis 90° Flexion als Ziel. Phase 2 (2–6 Wochen): aktive Mobilisation, Gangschule mit Unterarmgehützen, Treppensteigen, Ziel 100–110° Flexion. Phase 3 (6–12 Wochen): Muskelaufbautraining (Quadrizeps, Gluteen), Propriozeptionstraining auf instabilem Untergrund, Rückkehr zu Alltagsaktivitäten. Prüfungsrelevante ROM-Ziele: vollständige Extension 0° (Streckdefizit ist häufigste und funktionell störendste Einschränkung), Flexion 110–120° für Treppensteigen und Hocke. Die Quadrizepsschwwäche ist die häufigste Frühkomplikation und muss von Tag 1 an behandelt werden.
Wundheilung verläuft in drei Phasen mit jeweils unterschiedlichen Physiotherapie-Maßnahmen. Exsudationsphase (0–3 Tage): Entzündungsreaktion — Physiotherapie passiv: Ödemprophylaxe durch Hochlagerung und Lymphdrainage, keine Wärme, keine Dehnung. Proliferationsphase (4–21 Tage): Granulationsgewebe, Kollagensynthese — vorsichtige aktive Mobilisation erlaubt, keine starke Dehnung. Remodellierungsphase (ab 21 Tage bis 2 Jahre): Kollagenreifung — Narbenmassage, Querfriktion nach Cyriax, Silikonpflaster, kontrollierte Dehnung. Prüfungsrelevant: hypertrophe Narbe (bleibt innerhalb der Wundgrenzen) vs. Keloid (wächst darüber hinaus, genetische Disposition); Kontraktur als Spätkomplikation nach Verbrennung.

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